Gehörst du zu den Menschen, die sich ständig Ziele setzen und sich immer weiter verbessern wollen? Bist du am kritischsten mit dir selbst und fällt es dir schwer dich selbst zu loben oder wertzuschätzen?

Als der Dalai Lama bei einem seiner ersten Besuche im Westen das Wort Selbsthass hörte, dachte er es sei eine falsche Übersetzung. Er konnte einfach nicht verstehen, wie es möglich ist, dass das Selbst sich selbst hasst. Offenbar ist diese Autoaggression vor allem ein Teil unserer westlichen Kultur mit der ständigen Bewertung, Selbstoptimierung und dem grundlegenden Gefühl nicht gut genug zu sein. Das kennen wir demnach leider fast alle, aber wie kommen wir da raus?

 

Schritt 1: Mach dich selbst zu deinem/r besten FreundIn

Hast du schon mal festgestellt, dass du mit dir selbst so redest, wie du mit niemand anderem auf der Welt reden würdest? Ich brauchte erst einen Weckruf und er kam mit dem folgenden Satz:

Achte darauf wie du mit dir selbst sprichst, denn du bist göttlich.

Dieser Satz hat mich tief ergriffen, denn mir wurde schlagartig bewusst, wie destruktiv ich häufig mit mir selbst rede. Und in dem Moment konnte ich es zum ersten Mal auch spüren: Ich bin ein Teil des Ganzen, ich gehöre zu dem was letztendlich Liebe ist und die Liebe, die ich anderen geben möchte, habe ich selbst genauso verdient wie alle anderen. Die Erkenntnis war gut, aber die alten Muster zu löschen gar nicht so einfach.

Gedanken denken ist etwas anderes als Gedanken glauben

Daher schaue im ersten Schritt wie du mit dir selbst redest. Berate dich wie es ein lieber Mensch aus deinem Umfeld auch tun würde. Und wenn du merkst, dass der innere Kritiker sehr stark ist, dann musst du ihm längst noch nicht alles glauben, was er dir erzählt.

 

Schritt 2: Liebe wer du bist

Wie stark wir an uns selbst zweifeln oder uns nicht mögen kann entweder an tief verwurzelten Glaubenssätzen liegen, die wir zum Beispiel aus der Kindheit oder Lebensereignissen mitgenommen haben, oder aber auch mit bestimmten Charakterzügen zusammenhängen. Mein Geburtshoroskop war für mich eine tolle Möglichkeit, alle meine Eigenschaften näher anzuschauen und zu akzeptieren. Ein Teil meine Konstellation lässt mich tief nach Wissen graben, sie ist die kritische Seite in mir. Das ist für mich als Wissenschaftlerin essentiell, aber diese Seite kann das Leben manchmal schwerer machen als es ist, gerade wenn man sich selbst gegenüber sehr kritisch ist. Es geht hierbei jedoch nicht darum in gute und schlechte Eigenschaften zu unterteilen. Alle deine Eigenschaften sind ein großes Geschenk, sie helfen dir den für dich bestimmten Lebensweg zu gehen. Wenn du dich mit ihnen anfreundest und sie kennen lernst, dann kannst du auch ihre positive Kraft nutzen.

Alle Liebe dieser Welt ist auf Eigenliebe gebaut

–Meister Ekhart

Das Geheimnis lautet also: Das größte Potential zur Transformation liegt nicht darin diese Eigenschaften zu ändern oder sie auszulöschen, denn sie sind ein immer währender, einzigartiger Teil von dir.  Es geht vielmehr darum sie bewusst als Werkzeug nutzen, statt dich ihnen ausgeliefert zu fühlen oder sie nicht zu mögen, denn damit ist die Abwärtsspirale schon vorprogrammiert. Selbstliebe bedeutet also nicht nur einfach seine guten Seiten zu lieben, auch wenn das ein guter Anfang ist. Sie bedeutet, dass wir unser Dunkelstes anschauen und das Licht darin sehen, statt uns dafür zu verurteilen. Selbstliebe bedeutet gerade mit diesen Eigenschaften in Liebe und Vertrautheit zu leben. Sie genau anzuschauen und zu kennen. Wenn wir uns selbst kennen und dafür akzeptieren können, dann springt diese Liebe auch auf andere über, lässt Mitgefühl für die Handlungen anderer erwachsen. Sie verbindet uns darin, dass wir alle unsere Themen haben, mit denen wir arbeiten.

 

Schritt 3: Wo praktizierst du schon Selbstliebe?

Statt dich gleich auf die Dinge zu fokussieren, die dir noch nicht so gut gelingen, schaue dir erst einmal an ob es etwas gibt, ein Ritual, oder eine Gewohnheit, die ein Ausdruck von Selbstliebe ist, obwohl du darüber so vielleicht noch gar nicht nachgedacht hast. Bei mir ist das zum Beispiel die Ernährung, nur habe ich es als so selbstverständlich gesehen, dass mir bis zu dem Zeitpunkt als ich angefangen habe Ernährungsberatungen zu geben, gar nicht aufgefallen ist, wie sehr ich mich in diesem Aspekt wirklich gut um mich selbst kümmere. Falls es bei dir genau die Ernährung ist, bei der es noch mit der Selbstliebe hapert, dann schaue doch erst einmal ob du ein anderes Ritual hast, wie regelmäßige Saunabesuche, Yogaklassen oder andere Aktivitäten in denen du dir Zeit für dich nimmst. Statt dich also zu verurteilen, dass bestimmte Dinge noch nicht so sind wie du sie gerne hättest, baue erst einmal darauf auf. Im Umgang mit dir selbst, gibt es nämlich zwei Möglichkeiten dich zu sehen. Die eine ist dich abzulehnen: auch wenn du dich verurteilst, hart zu dir selbst bist, bleibst du doch dieselbe. Du kannst dich aber auch annehmen, dich dir hingeben, dich erfreuen, wie du bist, und du bleibst du selbst. Deine Haltung kann unterschiedlich sein, aber du bleibst der Mensch, der du bist. Wenn du dich annimmst, entsteht Mitgefühl.

Die folgende Meditation soll dir helfen Selbstliebe und Wertschätzung dir gegenüber zu praktizieren und innere Fülle zu spüren. Du brauchst dafür nur 5 Minuten, einen ungestörten Ort und eine bequeme Sitzposition.

Love yourself.