Vom Yoga ins Hier und Jetzt

Die Kunst des Augenblicks

Wie oft habe ich diesen Satz gehört, komm ins Hier und Jetzt, lass die Gedanken ziehen, komm an, sei präsent. Wahrscheinlich sind diese Erinnerungen Bestandteil jeder Yogastunde, jedes Achtsamkeitstrainings und jeder Meditation. Wieso das Jetzt aber so wichtig ist, hat mich allerdings einige Jahre der Praxis und des Erfahrens gebraucht.

Im Jetzt liegt die Antwort auf die meisten Probleme

Kennst du das Gefühl, den Moment nicht richtig zu leben? Deine Erfolge manchmal nicht wirklich zu genießen oder eine unangenehme Situation möglichst von dir wegzuschieben, dich abzulenken? Das Jetzt musste mich erst immer wieder in meinem Alltag, abseits der Yogamatte einholen, es flüsterte mir leise zu oder knallte mir seine ganze transformierende Wucht ins Gesicht, dann, wenn ich es am wenigsten erwartete. Es gibt mir die Antwort auf fast jedes Problem, solange ich ehrlich mit mir bin. Dann wenn ich merke, dass ich in einer Situation nicht auf das aktuelle Ereignis, das Gespräch oder die Frage reagiere, sondern auf die Vergangenheit, Verletzungen, Erfahrungen, die sich tief eingebrannt haben, aber eigentlich nichts mit der aktuellen Situation zu tun haben. Genau das hat mir klar gemacht, dass meine Präsenz im Jetzt mir helfen kann wieder klar und unbehaftet zu sehen und mir die Freiheit geben so zu reagieren wie ich es mir eigentlich wünsche.

Das Jetzt kann mir auch die Kraft geben Entscheidungen zu treffen. Dazu kann ich das Anwendenden, was ich ebenfalls im Yoga auf der Matte übe: Wie fühle ich mich gerade? Was sagt mir mein Körper, meine Stimmung? Wenn ich fühle dass ich jetzt gerade Ruhe brauche und mit meinen Gedanken nicht in der Zukunft bin („werde ich etwas verpassen? wann wird es die nächste Gelegenheit geben?“) und nicht in der Vergangenheit („das hat ja sonst auch gepasst“) nur dann kann ich mich nach meinen individuellen, aktuellen Bedürfnissen richten.

Ride your wave

Das Jetzt erinnert mich auch daran einfach Dinge zu tun, eben genau JETZT. Denn wenn wir unserem Gefühl vertrauen wissen wir, dass alles was uns davon abhält, eine Sache zu tun unsere inneren Zweifel sind, die wir vielleicht auch aus der Vergangenheit mitgenommen haben, oder in die Zukunft projizieren. Diese Wahrheit holt dich mehr denn je beim Surfen ein: Es gibt Wellen, die sind nicht deine und egal wie viel Kraft du ins Paddeln steckst, du wirst den Ritt nicht erzwingen können. Wenn du spürst, dass deine Welle kommt, dann darf es keinen Zweifel an dir selbst geben, es gibt keine Zeit zu überlegen, sonst scheiterst du: nicht an deinem Können sondern an deinen Hemmungen. Surfen bedeutet genau wie Yoga auf den Moment zu hören, mit ihm in Interaktion zu treten, ihn anzunehmen wie er ist.

Zurück auf der Matte bedeutet das auch Jetzt im Körper zu sein. Ich kann nur wahrnehmen worauf ich mich mit vollem Herzen konzentriere, kann nur bewegen was ich erspüren kann, kann nur das annehmen was ich erlaube da zu sein. Nur im Jetzt kann ich auf meiner Matte langfristig Veränderungen bewirken, eben indem ich nicht auf diese hinarbeite sondern mich auf das einstelle was gerade ist. Auch wenn es manchmal unangenehm ist dort hinzuschauen.

Im Augenblick zu leben, bedeutet wirklich zu leben

Das Jetzt kann dir viele wundervolle Momente bringen, solange du dich ihm hingibst, ohne Angst. Das ist die größte Herausforderung, denn Angst sieht meist das, was noch nicht ist, aber sein könnte. Sie entsteht aus den Tiefen deiner gespeicherten Erfahrungen und deines verankerten Selbstbildes. Wenn ich merke, dass diese alten Muster sich in mein Denken schleichen, dann mache ich mir bewusst, dass diese Projektionen nicht Teil der Wirklichkeit, des Jetzt, sind. Sie bilden nicht die aktuelle Situation und mein Können ab, sondern sind wie eine Brille, eine Fessel. Nur wenn deine Handlungen frei von Angst sind kannst du deine Welle mitnehmen – enjoy the ride.

ॐ Dania

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